Es gibt viele lohnenswerte Ziele, welche mit der Reichweite unserer Motorflugzeuge direkt von Donzdorf aus erreichbar sind. Hamburg gehört sicherlich zum interessantesten Ziel, welches wir in diesem Sommer angesteuert haben. Volker Ritter hatte eine Besichtigung der Airbus-Werke in Hamburg-Finkenwerder organisiert und die Großstadt Hamburg hat bekanntlich ebenfalls noch vieles zu bieten. Trotz langer Vorankündigung konnten es nur 6 Flieger aus Donzdorf einrichten am Wochenende vom 14.07. auf den 15.07.2018 den Ausflug nach Hamburg anzugehen. Gut, dass sich noch ein neues Mitglied und Hallenmieter anschloss. Er tat sich mit 2 Personen zusammen um das Ziel von der Hahnweide aus anzusteuern. Das Team1 aus Donzdorf trat den Flug schon am Freitagnachmittag in der Robin DR400 D-VF an. Die Piper 28 D-MB startete am Samstag früh um 7:30 Uhr mit Team2 ebenfalls bei bestem Wetter nach Norden. Kurz danach waren auch die Teilnehmer mit ihrer Cessna 172 von der Hahnweide in der Luft.


Bei solchen Ausflügen erweitert jeder Pilot seine Kenntnisse, seinen Erfahrungsschatz und seine Kompetenz für größere Streckenflüge über Land. Damit dieses Ziel auch diesmal für die steuernden Piloten erreicht werden konnte, hatte das 3er Team in der Piper 28 entschieden nicht den bisher geplanten kleinen Flugplatz Uetersen mit Graspiste anzufliegen, sondern sich die Aufgabe gestellt, in Hamburg-Fuhlsbütel International Airport zu landen.

Der Flug führte uns über Schwäbisch Hall, Würzburg und Wasserkuppe in Flughöhe 4500 Fuß über den Wolken bis kurz vor den Luftraum Hannover. Auf der gewählten Flughöhe war für den Weiterflug also eine Freigabe für Luftraum D erforderlich. Die Freigabe wurde uns ohne weiteres, mit Höhen- und Steuerkurszuweisung, erteilt. So konnten wir ohne Umweg weiter unser Ziel ansteuern.

In der Umgebung von Hamburg war das Wetter so wie häufig dort: 7/8 Bewölkung auf 2000 Fuß und Nieselregen. Vor dieser Bewölkungszone gab es größere Lücken in der Wolkendecke. So konnten wir uns eine Lücke für den Sinkflug aussuchen. Der Anflug über die Pflichtmeldepunkte nach Hamburg war in einer Flughöhe unter 2500 Fuß auszuführen.

Auf ATIS besorgten wir uns wichtige Informationen über den Betriebsstatus des Flughafens und dann ging es an den Erstanruf. Wir wurden mit einem freundlichen „Moin-Moin“ begrüßt und für den Anflug auf Piste 23 eingeordnet. Da noch einige größere Jets vor uns dran waren, wurden wir gebeten einen Vollkreis über der Außenalster zu drehen. Das haben wir genutzt um schon einige Fotos zu schießen – außer der Pilot flying. Nach dem Vollkreis über Hamburg durften wir hinter einem Airbus 320 in den Queranflug und Endanflug gehen. Der Towerlotse hatte die Verkehrslenkung so gestaltet, dass direkt hinter uns eine längere Pause war, so dass unser Pilot ohne Hektik eine gelungene Landung praktizieren konnte. Das ganze Prozedere war leichter als gedacht – kein „Hexenwerk“.

Anflug auf Fuhlsbüttel
Endanflug Piste 23

Nach Verlassen des GAT konnten wir direkt vor Ort ein Carsharing Auto nutzen, welches dort für Piloten geparkt ist. Nach 30- minütiger Fahrt erreichten wir das Eingangstor der Airbus-Werke in Hamburg-Finkenwerder und trafen dort die anderen Teilnehmer der Besichtigungstour.

Zufahrt Airbus Hamburg-Finkenwerder

Der Rundgang bei Airbus dauerte etwa zweieinhalb Stunden und vermittelte uns viel Insiderwissen zu Produktion, Entwicklung, Herkunft der verbauten Teile und den damit verbundenen Kosten. In Hamburg-Finkenwerde werden verschiedene Flugzeugtypen gebaut, die, was die Größe angeht, von der kleinen A318 bis hin zur A380 reichen. Wir sahen die Ausrüstungsmontage und Endmontage der A320 Familie, sowie die Strukturmontage und Innenausstattungshalle der A380 sowie sehr große Lackierhallen für die Maschinen. Es standen auch erstaunlich viele fertige Airbus-Jets im Werk, an denen die Triebwerke fehlten. Es gibt derzeit Lieferprobleme bei den Herstellern der Triebwerke. Leider wurde sehr penibel darauf geachtet, dass jeder Tour Teilnehmer sein Mobiltelefon ausgeschaltet hatte und dass auch sonst keine Fotos gemacht wurden.


Rumpfssegmente von A320 warten auf den Schiffstransport nach Toulouse

Nach der Besichtigung des Airbuswerks traten die Flieger von der Hahnweide gleich wieder den Heimweg an. Wir fuhren zum Einchecken ins Hotel und steuerten dann mit einem günstigen Tagesticket des ÖPNV das Stadtzentrum an. An den Landungsbrücken trafen wir die Flieger aus der D-FV. Sie hatten einen Stützpunkt mit Getränkeversorgung und guter Aussicht auf die Touristenmengen gefunden.

In Hamburg war an diesem Wochenende echt was geboten: Schlager Rave, Triathlon der Amateure und Konzert von Helene Fischer – zusätzlich zu den Musicals und den sonstigen regelmäßigen Veranstaltungen in dieser Stadt. Wir absolvierten ein schönes und individuelles Programm an diesem Wochenende, bestehend aus Hafenrundfahrt, Besuch von Elbphilharmonie, Speicherstadt, Reeperbahn und Hamburger Fischmarkt. Das Wetter hatte sich total gebessert und am Samstagabend traf sich unsere Gruppe aus 6 Fliegerkameraden zum Abendessen im portugiesischen Viertel.

Da für Sonntagnachmittag in Süddeutschland Regen und Gewitter vorhergesagt war, wollten wir spätestens um die Mittagszeit den Rückflug antreten. Das Team in der D-FV startete von Uetersen ungefähr um 11:40 Lokalzeit. Die D-MB startete den Heimflug um 12:14 Uhr auf der Piste 05 in Hamburg-Fuhlsbütel. Auf dem Weg zu den Pflichtmeldepunkten im Süden der Stadt baten wir per Funk noch um eine Runde Sightseeing über dem Hafen. Das wurde uns freundlich genehmigt und wir konnten noch ein paar schöne Fotos machen.

Querab Piste 05


Elbphiund die Speicherstadt

Der Rückflug nach Donzdorf konnte bis kurz hinter Würzburg auf Flugfläche 85 durchgeführt werden. Dann türmten sich vor uns CB-Wolken auf. Wir mussten den Flug also unter den Wolken fortsetzen. Kurz von Schwäbisch Hall waren dann mehrere Gewitter und Regenschauer in unserem Flugweg zu sehen. Nun hat sich bewährt, dass wir mit Funkkontakt zu FIS geflogen sind. Die freundliche Fluglotsin bat von sich aus Unterstützung an und gab sehr gute Hinweise zur Wettersituation und den möglichen Ausweichoptionen Flugplätze Heubach oder Aalen. Wir näherten uns dann im Regenschauer, aber bei ausreichender Sicht, dem Flugplatz Donzdorf von Westen. Da sich der Regenschauer und die Böen verstärkten, entschieden wir, keine Landung zu wagen, sondern nach Aalen weiterzufliegen. Während einer 40-minütigen Kaffeepause in Aalen, zog das schlechte Wetter weiter und wir konnten noch den kurzen Hüpfer zurück nach Donzdorf machen um den Ausflug gut zum Abschluss zu bringen. Das Team in der D-FV hatte den Platz kurz vor Ankunft der Gewitterzone erreicht und erwartete uns schon in der Fliegerhütte.

Hamburg ist immer eine Reise wert! Dieses Ziel mit Freunden oder der Familie im Flugzeug der Fliegergruppe Donzdorf anzusteuern lohnt sich. Bei den vielen Sehenswürdigkeiten kommt jeder Passagier auf seine Kosten. Wer möchte kann von dort weiterfliegen auf die Inseln in der Nordsee. Der Flughafen EDDH ist freundlich zu GA-Verkehr, der Service ist TOP und die Gebühren sind vergleichsweise preiswert für einen internationalen Flughafen dieser Größe.